Festkonzert des Neuen Favoritner Mandolinenorchesters
Das Festkonzert des Neuen Favoritner Mandolinenorchesters anlässlich seines 75-jährigen Bestehens am 12. April 2026 im MuTh erwies sich als eindrucksvolle Hommage an die lange Tradition und künstlerische Vitalität dieses Ensembles. Unter der umsichtigen und zugleich inspirierenden Leitung von Eduard Papazoff entfaltete das Orchester einen warmen, fein nuancierten Klang, der die besondere Klangfarbe der Mandoline in all ihren Facetten zur Geltung brachte.
Bereits die orchestralen Beiträge überzeugten durch Präzision, klangliche Ausgewogenheit und spürbare Spielfreude. Eduard Papazoff verstand es, die Musikerinnen und Musiker zu einem homogenen Ganzen zu formen, ohne dabei die individuellen Stimmen zu nivellieren. So entstand ein lebendiger Gesamtklang, der sowohl in lyrischen als auch in rhythmisch akzentuierten Passagen zu begeistern wusste.
Klang das Eröffnungsstück des Konzertes FEST MARSCH, op. 452 von Johann Baptist Strauss (Sohn) (1825–1899), arrangiert von Eduard Papazoff, noch etwas verhalten, erreichte das Orchester bei der österreichischen Erstaufführung von RATSCHENITZA, Suite Thrakische Tänze von Petko Stainow (1896–1977), arrangiert von Eduard Papazoff ein außergewöhnlich hohes Niveau in der musikalischen Interpretation des im 7/8-Takt verfassten Stückes.
Ein besonderer Höhepunkt des Konzertnachmittags war der Auftritt der jugendlich-dramatischen Sopranistin Katharina Jing An Gebauer. Mit leuchtender Höhe, klarer Diktion und großer Ausdruckskraft verlieh sie ihren Darbietungen eine berührende Intensität. Ihr Gesang verband technische Souveränität mit emotionaler Tiefe und fügte sich zugleich sensibel in den orchestralen Klang ein. Beindruckend die Harmonie von Gesangstimme und orchestraler Begleitung, sobald Katharina Jing An Gebauer VISSI D‘ARTE aus Tosca von Giacomo Antonio Domenico Michele Secondo Maria Puccini (1858–1924) intonierte.
MÄDEL KLEIN, MÄDEL FEIN aus Der Graf von Luxemburg von Franz Lehár (1870–1948), arrangiert von Heinz Koihser, interpretierte die Sängerin gemeinsam mit dem Bariton Aleksander Mutafchiyski, begleitet vom Neuen Favoritner Mandolinenorchester, wobei beide Künstler nicht nur ihr gesangliches, sondern auch ihr schauspielerisches Talent bewiesen. Neben Katharina Jing An Gebauer beeindruckte der Bariton Aleksander Mutafchiyski mit einer kraftvollen, zugleich geschmeidigen Stimme, die durch ihre Wärme und Ausdrucksvielfalt bestach. Seine Interpretation war von großer Bühnenpräsenz getragen und setzte einen markanten, charaktervollen Akzent im Programm.
Für eine zusätzliche, faszinierende Dimension dieses Konzertes sorgte das Tangotänzerpaar Christine Janicek und Christian Kakuska. Mit Eleganz, Präzision und spürbarer Leidenschaft interpretierten sie die musikalischen Impulse des Orchesters in tänzerischer Form. Ihre Darbietung verlieh dem Konzert eine visuelle Intensität, die das Publikum sichtlich in ihren Bann zog. Ihre tänzerische Darbietung boten die beiden zu LA CUMPARSITA, Tango von Gerardo Hernán Matos Rodriguez (1897–1948), arrangiert von F. Kotal und den Tanzkünstlern und POR UNA CABEZA, Tango von Argentino Carlos Gardel (1890–1935), arrangiert von Valdo Preema und CHRISTINE & CHRISTIAN.
Charmant und souverän führte Viktor Kautsch durch den Abend. Seine Moderation war informativ, kurzweilig und stets mit einem feinen Gespür für den richtigen Ton versehen. Er verstand es nicht nur Hintergründe zu vermitteln und zugleich die festliche Atmosphäre zu unterstreichen, sondern nahm diesmal auch aktiv am Konzertgeschehen teil, als er THE TYPEWRITER von Leroy Anderson (1908–1975), arrangiert von Eduard Papazoff, MICHAEL FOLTINOWSKY und VICTOR KAUTSCH auf der Schreibmaschine zum Besten gab. Applaus und Bravorufe aus dem Publikum waren ihm sicher.
Das Konzert steuerte nochmals einen Höhepunkt entgegen als KATHARINA JING AN GEBAUER und ALEXANDER MUTAFCHIYSKI WIENER BLUT von Johann Baptist Strauss (Sohn) (1825–1899), arrangiert von Eduard Papazoff im Duett sangen und tanzten und für einen würdigen Abschluss des Konzertes vor den obligatorischen Zugaben sorgten.
Insgesamt war dieses Festkonzert nicht nur ein würdiger Anlass, auf 75 Jahre musikalisches Wirken zurückzublicken, sondern auch ein lebendiger Beweis dafür, dass das Neue Favoritner Mandolinenorchester mit ungebrochener Energie und künstlerischem Anspruch in die Zukunft blickt. Ein rundum gelungener Abend, der lange in Erinnerung bleiben wird.
Harald Eichelberger




