Gitarre

ERWIN SCHALLER

geb. 9. Feb. 1904 in Linz/Donau
gest. 20. Dez. 1984 in Wien

Im Alter von sechs Jahren spielte er bereits Violine und wurde später als Schüler des Linzer Konservatoriums in Violine, Kammermusik und Harmonielehre unterrichtet. Nach der Matura widmete er sich seinen Studien an der Wiener Musikakademie in Violine bei Franz Mairecker sowie in Musiktheorie und Komposition bei Richard Stöhr und Franz Schmidt, die er mit Auszeichnung abschloß. Nach einem weiteren Jahr Violinstudium bei Hermann Zitzmann an der Kölner Musikhochschule wirkte er als Bratschist im Grümmer Quartett in Bern.

Sein zunehmendes Interesse und sein musikpädagogisches Engagement für die Gitarreveranlaßte ihn, bei Jakob Ortner an der Wiener Musikakademie die Staats- und Reifeprüfung abzulegen. Seine erste Anstellung im Jahre 1933 als Musikerzieher an der Bundeslehrerbildungsanstalt in Linz erlaubte auch die Einbeziehung der Gitarre.
Die Gitarre wurde damals vorwiegend als Begleitinstrument unter anderem in der Jugendbewegung oder als Soloinstrument in der spanischen Musik verwendet. Daher war es ihm ein besonderes Anliegen, diesem Instrument durch Einbeziehung in die Kammermusik und durch Ausarbeitung von Continuosätzen zu mehr Ansehen in Musikerkreisen zu verhelfen.
Seine pädagogischen Vorstellungen realisierte er in einem 1936 begonnenen fünfbändigen “Lehrwerk für die Gitarre”, das er gemeinsam mit Karl Scheit verfaßte. Dieses für Gitarristen richtungsweisende Werk wurde 1951 auch in einer englischen und 1966 in einer japanischen Übersetzung gedruckt.

Erwin Schaller setzte sich vor allem für die Pflege und Erhaltung des Volksliedgutes ein, indem er über 3000 Begleitsätze für Gitarre, Blockflöten oder Streicher schuf, von denen jedoch nur ein geringer Teil im Druck erschienen ist. Er wurde besonders durch seine im Jahre 1939 veröffentlichten nordischen und finnischen Lieder bekannt, die er anläßlich einer Studienreise nach Skandinavien aufzeichnete.

Das kompositorische Schaffen von Erwin Schaller läßt sich in die folgenden vier Bereiche einteilen:

1. Volksliedsätze für Singstimme und Gitarre oder andere Instrumente.
2. Vokale und instrumentale Kompositionen für Gesang, Gitarre, Blockflöte und Streicher.
3. Continuosätze für Gitarre.
4. Vokale und instrumentale Bearbeitungen von Kompositionen des 16. bis 20. Jh .

Erwin Schallers Vielseitigkeit als ausübender Musiker, Komponist und Musikpädagogespiegelt sich in einem vielfältigen Schaffen wider. Es war ihm ein wichtiges Anliegen den zur Verfügung stehenden Spielern geeignete Musikliteratur bereitzustellen. Während seiner Tätigkeit als Musikerzieher und Leiter von zahlreichen internationalen Kursen sowie für das Konzertieren mit seiner Familie schuf er dafür geeignete vokale und instrumentale Kompositionen und Bearbeitungen. Vielfach sind die Übergänge zwischen Bearbeitung und Eigenkomposition fließend.

Der Kompositionsstil von Erwin Schaller orientiert sich am strengen Kontrapunkt und läßt sowohl musikantische Züge als auch romantische Einflüsse erkennen. In seiner letzten Schaffensperiode überwiegen die „modalen“ Kompositionen. Dabei handelt es sich um polyphone Musik, in der der Komponist die individuelle Charakteristik der Kirchentonarten vielfältig zum Ausdruck bringt. Seine diesbzüglichen Erläuterungen und Thesen werden in seinen Schriften begründet.

Anläßlich des 100. Geburtstages von Erwin Schaller haben die beiden Wiener Gitarristen Mag. Elfriede und Mag. Heinz Wallisch ein Werkverzeichnis erstellt.
Der gesamte musikalische Nachlaß von Erwin Schaller wurde von ihnen seit 1998 gesichtet, geordnet, archiviert und zusammengefaßt. Aus dieser Tätigkeit sind zwei Diplomarbeiten an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien entstanden:

Elfriede Wallisch,
Erwin Schaller / Die Lothringer Lieder, Wien, Mai 2001;

Heinz Wallisch,
Die Etablierung der klassischen Gitarre im Musikleben Österreichs / Erwin Schaller –
Ein Wegbereiter der Gitarrenpädagogik des 20. Jh., Wien, Oktober 2002.

 

Qulle: http://www.erwin-schaller.at/